Studio Ghibli

Studio Ghibli

Spätestens seit Filmen wie Prinzessin Mononoke oder Chihiros Reise ins Zauberland ist der Name Studio Ghibli auch in Deutschland ein Begriff. Obwohl die letzten Ghibli Filme (ErdseePonyo &  Arrietty) hierzulande im Kino liefen, waren sie leider nicht so erfolgreich wie Animationsfilme anderer Studios – manch einer dürfte die Premiere auf der großen Leinwand dank des Fokus auf kleine Programmkinos und praktisch nicht vorhandener PR komplett verpasst haben. Andere Kinobesucher dagegen schrecken immer noch vor „Heidi-Augen“ und dem japanischen Anime-Stil zurück und lassen sich so einige der wohl schönste Filme der letzten Jahre entgehen.

Qualität steht für die fleißigen Japaner ganz weit vorne: Die Zeichner vom Studio Ghibli versuchen möglichst wenig auf Computer-Animation zu setzen und zeichnen die meisten Folien mit der Hand.  Arrietty (die wundersame Welt der Borger) ist hierfür ein Musterbeispiel und strotzt nur so vor Detail-Reichtum – Schade, dass die erzählte Geschichte dabei etwas zu kurz kommt.

Ariettys Detailreichtum

Arrietty hätte in unserer, kleinen Wohnung sicher auch ihren Spaß: Mittlerweile besitzen wir ein eigenes Totoro-Klo (inklusive Totoro-Klodeckel, Totoro-Handtüchern und Totoro-Teppich!), sowie zahlreiche Stofftiere und Krimskrams wie Blumentöpfe und Miniaturen. Außerdem würde Arrietty auffallen, dass wir vor allem Fans der älteren Ghibli Werke sind. Einen detaillierten Bericht zu unsrem Nerd-Paradies inklusive 360° Panorama Bild des Wohnzimmers gibt es hinter diesem Link.

Ein Teil der Totoro Dekoration in unserer Wohnung

Ein Teil der Totoro Dekoration in unserer Wohnung

Erst kürzlich haben wir uns den Ghibli-Klassiker Nausicaä aus dem Tal der Winde in fantastischer Qualität auf Blu-ray angesehen. Ein Meisterwerk und trotz seines Alters selbst heute noch eine optische Granate! Hayao Miyazaki war mit diesem Kinofilm 1984 dermaßen erfolgreich, dass er die Einspiel-Gewinne nur ein Jahr später für die Gründung von Studio Ghibli nutzen konnte. Kurze Info für Manga-Fans: In Deutschland erschienen alle sieben Manga Bände zu Nausicaä (ebenfalls von Miyazaki gezeichnet) bei Carlsen in einer Neuauflage. Reinschauen lohnt sich, denn der Manga geht erheblich weiter als die filmische Umsetzung!

Eines der Themen, welches sich durch viele Ghibli-Filme wie ein roter Faden zieht sind Luftfahrt, Luftschiffe und jede Menge Szenen über den Wolken! Miyazaki ist ein großer Fan des Himmels und lebt sein Hobby in vielen Filmen aus: Ob Nausicaä, Porco Rosso, Kiki’s kleiner Lieferservice oder Das Schloss im Himmel (Laputa).  Letzterer war übrigens der erste Film nach der Gründung des Zeichentrickfilmstudios und ist bis heute einer DER Lieblings-Ghibli Filme der Fans.

Lange Geschichte kurz: Zwei Kinder machen sich auf den Weg um das fantastische Schloss Laputa zu finden, welches auf einer fliegenden Insel durch den Himmel schwebt. Ihnen in den Weg stellen sich gierige Luftpiraten, die auf der Insel  immense Schätze und eine mächtige Waffe erhoffen. Nach einer langen Hetzjagd erreichen alle die fliegende Insel und finden dort ein kleines Paradies, welches von gigantischen Robotern gepflegt wird.

Der 2013 in Japan erschienene Flugzeug-Ghibli-Film Kaze Tachinu (international: The Wind rises) wendet sich eher an eine erwachsene Zielgruppe. Der Film erzählt weitgehend fiktiv das Leben des Flugzeugkonstrukteurs Jirō Horikoshi, der die erfolgreichen Jagdflugzeuge Mitsubishi A5M und die Nachfolgemaschine A6M (Zero) entwickelte, welche im zweiten Weltkrieg eingesetzt wurden. Miyazaki musste in seinem Heimatland nach Erscheinen des Films viel Kritik von rechts einstecken. Nachdem er sich  öffentlich auf die Seite der Kriegsopfer, vor allem der Zwangsprostituierten „Trostfrauen“, stellte und sich kritisch zu den japanischen Kriegsverbrechen äußerte wurde er von den Ultra-Rechten als „anti-japanischer Verräter“ bezeichnet.

Filmposter von Kaze Tachinu "The Wind rises"

Filmposter von Kaze Tachinu „The Wind rises“

Nichtsdestotrotz: Die Beliebtheit Studio Ghiblis ist immer noch immens und begann, als Miyazaki ein besonderes Werk in die Kinos brachte: Mein Nachbar Totoro wurde 1988 zum Publikumsliebling und der Eulen-Katzen-Bär Totoro entpuppte sich schon bald als neues Firmen-Maskottchen. Totoros sind übrigens Waldgeister, die es in allen Größen und Farben gibt, magische Fähigkeiten besitzen und nur von Kindern gesehen werden können. Yup, so ist das! Die Figur Totoros beeinflusste auch andere Zeichner: Pixar ließ ihn in Toy Story 3 auftreten und es gibt einige sehr eindeutige Anspielungen in der Southpark-Folge „Mysterion Rises“ (Link zur Folge!). Falls Ihr keine Zeit habt die ganze Folge zu gucken, spult einfach zu Minute 12:15 und 19:13 😉 Ebenfalls treten in Totoro erstmals der Katzenbus und die kleinen schwarzen Rußmännchen Makkuro Kurosuke (übersetzt „tiefschwarze Schwarzies“) auf. Letztere haben auch einen Gastauftritt bei Chihiros Reise ins Zauberland.

Mein Nachbar Totoro

Mein Nachbar Totoro

Etwa zur gleichen Zeit wie Totoro erschien auch der Film „Die letzten Glühwürmchen“ – bis heute einer der einzigartigsten und erschütterndsten Ghibli-Filme, der die tragische Geschichte zweier Kinder Ende des zweiten Weltkriegs in der zerbombten Großstadt Kōbe beleuchtet. Der Film wurde produziert von Isao Takahata, der zusammen mit Miyazaki das Studio Ghibli gründete.

Hierzulande verblasst der Erfolg von Ghibli leider wieder: Das wandelnde Schloss und Chihiros Reise ins Zauberland waren in Deutschland zwar erfolgreich und durchaus im Mainstream angekommen, die neueren Ghibli-Filme bauen in dieser Hinsicht jedoch merklich ab und sind auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten. Sowohl Ponyo – Das große Abenteuer am Meer, als auch Arrietty sind zeichnerisch genauso fantastisch umgesetzt wie die vorigen Hits, fokussieren jedoch ein deutlich jüngeres Publikum und kommen mit seichteren Geschichten daher. Vielleicht liegt es auch daran, dass man hierzulande von letzteren Filmen kaum etwas mitbekommen hat.

Ghibli virtuell

Auch die Welt der Videospiele bleibt von Ghibli nicht mehr unberührt: Das fantastische JRPG Ni no Kuni für Nintendo DS entstand zusammen mit Factor 5 und ließ schon durch die ersten Trailer die Freudentränen in die Gesichter der Fans kullern. Die DS-Version von Ni no Kuni wurde am 9. Dezember 2010 in Japan veröffentlicht, die Playstation 3 Version erschien im Februar 2013 sogar in westlichen Gefilden. Wir sind stolze Besitzer der Wizard’s Edition und obwohl wir schon viele Stunden damit verbracht haben wartet dieses Spiel noch darauf endlich durchgespielt zu werden.

Wem Ni no kuni gar nichts sagen sollte, der schaut sich DRINGEND mal folgenden Trailer der Playstation 3 Version an.